Auf einer Insel, wo Familienzusammenhalt noch groß geschrieben wird und Familienfeste gern gesehene Anlässe zum Austausch von Neuigkeiten, Klatsch und Tratsch sind und wo jeder jeden kennt, blüht auch der Hang zum Übernatürlichen, werden Geschichten mystifiziert und weitererzählt.

Wir haben hier einige Mustergeschichten für Sie zusammengestellt:

Das unheimliche Haus

Lichter einer dem Friedhof nahe liegenden MoscheeEine arme djerbische Familie wollte ihr Haus, das zu jener Zeit nur aus einem einzigen Raum bestand, in dem die Eltern mit 4 Kindern lebten, erweitern. Das Geld für Mauersteine war nicht vorhanden, doch konnte die Familie preiswert die Steine einer eingefallenen Friedhofsmauer erwerben und verwendete diese zum Bau eines neuen Zimmertraktes. Doch schon bald nach Fertigstellung zeigten sich seltsame Phänomene:
In stillen Nächten klang ein stetes Trommeln durch die Räume, begleitet von Weihrauchduft. Stand man auf und versuchte, den Klang der Trommeln zu lokalisieren und nachzuforschen, hörte das Trommeln abrupt auf, um erst wieder einzusetzen, wenn wieder Stille ins Haus gekehrt war.
Doch dies war nicht die einzige Erscheinung in jenem Haus: Auch wurde des öfteren "der weiße Mann" bemerkt, der geistgleich im Hof umherwandelte und erst auf Ansprache hin verschwand.
Diese beiden Erscheinungen wurden mir von einer Deutschen und einer Französin, die mehrere Nächte in diesem Haus verbrachten, bestätigt.

 

Der Mann zwischen den Welten

Ein älterer Mann aus Hdada, einem kleinen Dorf im Bezirk Arkou, ist bekannt dafür, dass er zwei Frauen hat. Nun, denken Sie, das mag ja bei den Arabern durchaus noch üblich sein. Aber nein, in Tunesien ist dies gesetzlich verboten. Es wird erzählt, dass dieser Mann jeden Mittwoch ins Zwischenreich steigt, um dort mit seiner Zweitfrau die Zeit zu verbringen. Nie hat jemand außer ihm dieses Zwischenreich betreten, und doch verschwindet der Mann aus seinem Haus, ohne es durch Tür oder Fenster verlassen zu haben, und kehrt erst am nächsten Morgen zurück... gutgelaunt und voll neuer Geschichten aus dem Zwischenreich.

 

Das mysteriöse Marabout

Als der Fotoapparat noch funktionierte...Nahe dem Meer steht ein größeres, doch recht verfallenes Marabout, von den umwohnenden Djerbis verehrt und besucht, von einigen Jugendlichen als abendlicher Treffpunkt genutzt und sicherlich auch ab und zu Zufluchtsort für den winterlichen Regen flüchtende Touristen. Drinnen sieht man Überreste von Hunderten von Kerzen, die zu Ehren des hier Bestatteten abgebrannt werden. Es wird erzählt, dass kosmische Kräfte hier Batterien entladen, so dass Fotos mit modernen Kameras nicht möglich seien, und in ebendieser Sekunde, als mir diese Geschichte erzählt wurde, schaltete sich meine Kamera automatisch ab. Batterie leer! Zum Glück hatte ich noch volle Batterien in der Tasche, so dass Sie wenigstens dieses eine Foto hier sehen können, doch von außen ließ sich das Marabout nicht fotografieren, da waren die Batterien schon wieder leer!

Doch noch ergreifender ist ja die Geschichte, die Hand in Hand einhergeht: genau hinter diesem Marabout, auf der Landesseite, soll ein Goldschatz vergraben sein. Doch nur Menschen reinen Herzens, von drei Tage langen Gebeten von allem inneren Schmutz gereinigt, sollen in der Lage sein, diesen Schatz des Heiligen zu heben-. Im Jahre 2000 wagten es nun drei wackere Marokkaner, diesen Schatz zu heben und bereiteten sich, wie es die Legende forderte, durch intensive Gebete drei Tage lang vor, ohne ein Wort miteinander zu wechseln. Am vierten Tag begannen sie mit den Ausgrabungen und stießen schon bald auf den erhofften Fund. Die Anspannung der letzten Tage war jedoch wohl für den einen der drei zuviel gewesen und er stieß ein "Allahu akbar - Gott ist groß" hervor - da verschwand vor den entsetzten Augen der gesamte Schatz.... und wartet auf den nächsten Geläuterten..

Doch gehen legendäre Geistergeschichten natürlich Hand in Hand mit Aberglauben und anderen spiritistischen Spielarten: Sogenannte weise alte Frauen haben einen regen Zulauf, wenn es darum geht, anderen Böses anzuhexen.
Da werden mit Flüchen beschriebene Zettelchen im Garten vergraben, die den Besitzer des Gartens betreffen und schädigen. Nur durch Auffinden der Zettel und deren Verbrennen kann der so entstandene Schaden (meist geistiger Natur, sprich Streit und Haßgefühle) rückgängig gemacht werden.
Von sogenannten Hellsehern wird man gewarnt, bestimmte Getränke anzunehmen, denn diese seien verzaubert worden....und mir als Europäerin fällt es schwer, nicht fett zu grinsen.

Die Einheimischen jedoch lieben und glauben ihre Gruselgeschichten.